Graubünden darf ab September Dutzende Wölfe abschiessen
von belmedia Redaktion Alltag Draussen Magazine nachrichtenticker.ch Natur News Nutztiere Orte Schweiz Themen Tiere Tierwelt tierwelt.news Ⳇ Verbreitung
Graubünden darf seinen Wolfsbestand ab September erneut deutlich regulieren. Das Bundesamt für Umwelt hat die Gesuche des Kantons bewilligt. In mindestens zwölf Rudeln dürfen Jungwölfe abgeschossen werden, bei vier weiteren Rudeln sind Eingriffe möglich, sobald diesjähriger Nachwuchs bestätigt ist. Beim Calderas-Rudel in Mittelbünden geht die Massnahme noch weiter: Dieses Rudel darf vollständig entnommen werden.
Die neue Regulierungsperiode beginnt am 1. September 2026 und dauert bis zum 31. Januar 2027. Graubünden setzt damit die seit 2023 verfolgte Strategie fort, den Herdenschutz mit gezielten Eingriffen in den Wolfsbestand zu kombinieren.
Nach Angaben des Kantons dürfen in Rudeln mit bestätigtem Nachwuchs bis zu zwei Drittel der nachgewiesenen Jungtiere erlegt werden. Damit könnten in den kommenden Monaten erneut mehrere Dutzend Wölfe zum Abschuss freigegeben werden.
Calderas-Rudel darf vollständig entnommen werden
Eine besondere Regelung gilt für das Calderas-Rudel in Mittelbünden. Dieses Rudel hatte wiederholt Nutztiere in fachgerecht geschützten Herden gerissen. Damit erfüllt es nach Einschätzung der Behörden die Voraussetzungen für sogenanntes unerwünschtes Verhalten.
Während bei den meisten Rudeln nur ein Teil der Jungtiere entnommen werden darf, kann beim Calderas-Rudel das gesamte Rudel erlegt werden. Die Behörden wollen damit gezielt dort eingreifen, wo trotz Herdenschutz wiederholt Schäden entstanden sind.
Jäger werden erneut einbezogen
Wie bereits in den vergangenen Jahren beteiligt Graubünden auch die Jägerschaft an der Wolfsregulation. Autorisierte Jägerinnen und Jäger können während der Hoch- und Sonderjagd bei den Abschüssen mitwirken. Die konkreten Gebiete und Vorgaben werden vom Amt für Jagd und Fischerei bekanntgegeben.
Der Kanton hatte bereits während der vergangenen Regulierungsperiode stark in den Bestand eingegriffen. Zwischen September 2025 und Ende Januar 2026 wurden in Graubünden 35 Wölfe erlegt – mehr als in jedem anderen Schweizer Kanton. Einen ausführlichen Rückblick bietet der Belmedia-Bericht über die letzte Wolfsregulation in Graubünden mit 35 erlegten Tieren.
Weniger Nutztierrisse im laufenden Jahr
Auffällig ist gleichzeitig die Entwicklung bei den Schäden. Bis Ende Juli 2026 wurden in Graubünden 30 von Wölfen gerissene Nutztiere registriert. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 68. Damit haben sich die gemeldeten Risse mehr als halbiert.
Ob dieser Rückgang direkt auf die Wolfsregulation zurückzuführen ist, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht abschliessend beurteilen. Der Kanton verweist neben den Abschüssen ausdrücklich auf den Herdenschutz als zweiten wichtigen Faktor.
Neue Rudel entstehen trotzdem
Der Wolfsbestand bleibt gleichzeitig dynamisch. Erst im August wurden in Graubünden mehrere neue Rudel bestätigt. Im Münstertal wurden beim Chavalatsch-Rudel beispielsweise mindestens sechs Welpen nachgewiesen. Auch im Engadin, am Heinzenberg und im Vorderprättigau gibt es neue Rudelnachweise.
Die Behörden wollen die Entwicklung deshalb laufend beobachten. Sollten sich Schäden oder Rudelsituation verändern, sind weitere Regulationsgesuche möglich. Das Ziel bleibt nach Angaben des Kantons ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Nutztierhaltung und dem gesetzlich vorgeschriebenen Schutz des Wolfs.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Titelbild – KI-Bild
