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Absage von Tierausstellungen wegen Corona: Chance für mehr Tierschutz?

28.05.2020 |  Von  |  Haustiere, Hunde, News, Nutztiere

Bereits zum sechsten Mal veröffentlicht der Schweizer Tierschutz STS auch im Frühjahr 2020 einen umfassenden Bericht über die im Vorjahr besuchten Tier- und Viehausstellungen.

Der STS anerkennt dabei viele bezüglich Tierwohl umgesetzte Verbesserungen und kritisiert gleichzeitig die weiterhin oft beobachtete distanz- und würdelose Zurschaustellung der Tiere.

Viehausstellungen, Hunde-, Katzen- und Kleintierausstellungen, grosse Publikumsmessen: wegen Corona-Virus abgesagt. Anstatt herausgeputzt von tausenden Menschen bestaunt und von Richtern bewertet zu werden, bleiben die Tiere zuhause und die Messehallen stehen leer. Aussteller, Züchter und viele potentielle Besucher mögen das bedauern und Veranstalter beklagen die finanziellen Verluste. Der Schweizer Tierschutz STS sieht darin auch eine Chance. Der STS wünscht sich, dass die Verantwortlichen die Zeit nutzen, um Ausstellungskonzepte zu überdenken und weitere Verbesserungen für die Tiere umzusetzen. Die Veröffentlichung des STS-Reports zu den Tier- und Viehausstellungen 2019 zeigt, dass dies in manchen Fällen dringend angezeigt wäre.





Tiere hautnah

Im vergangenen Jahr hat der Schweizer Tierschutz STS zehn nationale und internationale Tierausstellungen besucht*. Trotz vieler Verbesserungen zum Wohl der Tiere gab es letztlich auch auf jeder der 2019 besuchten Ausstellung Anlass zur Kritik. Sei es in Bezug auf wenig tierfreundlich und bedürfnisgerecht ausgestattete Gehege und Haltungsformen oder auch auf den zum Teil groben Umgang mit den Tieren (Kuh- und Ziegenpräsentationen an der LUGA, Kuhpräsentationen an der Expo Bulle). Weiterhin fehlte es den Ausstellungstieren mancherorts an Platz und an Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Wie Objekte wurden Tiere stark exponiert präsentiert und konnten von mehreren Seiten von den Besuchern berührt, gestreichelt und getätschelt werden.







Extremzüchter und Extremzuchten

Den Besuchern an Hunde- und Katzenausstellungen bot sich mehr oder weniger das bekannte Bild: mit Extremzuchtmerkmalen belastete und übermässig herausgeputzte Tiere beeindruckten Richterinnen und Richter und hatten beste Chancen auf eine Prämierung. Auch an der prestigeträchtigen Viehschau Expo Bulle versuchten Züchter und Aussteller sich gegenseitig im Wettbewerb auf Kosten ihrer gutmütigen Tiere zu übervorteilen – ohne Rücksicht auf das Tierwohl und die Tiergesundheit. Je grösser und voller das Euter, desto sicherer der Sieg. Wenn Reglemente und Gesetze nicht konsequent umgesetzt werden, wenn Richter und Richterinnen, Veranstalter und Amtstierärzte nicht genauer hinschauen und strenger durchgreifen, dann wird sich an den Manipulationen zu Lasten der Tiere nichts ändern.

* Internationale Katzenausstellung Lenzburg / Expo Bulle / Animaux mystérieux (Geheimnisvolle Tiere), Landquart / Agrischa Zernez / LUGA Luzern / BEA Bern / Internationale Hundeausstellung Kreuzlingen / Marché-Concours Saignelégier / Vogelbörse Martigny / Reptilienbörse Aqua-Terra, Belfaux

 

Quelle: Schweizer Tierschutz STS
Bildquelle: Schweizer Tierschutz STS


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