Neue Studie zu Label-Fleischmarkt: Nutztiere und Tierhalter leiden unter Marktmacht der Grossverteiler

Basel (ots) –

Die Marktmacht im Detailhandel führt im Label-Fleischmarkt zu fehlendem Wettbewerb. Es sind in erster Linie ökonomische Gründe, weshalb der Anteil von Tierwohlprodukten im Laden bei 12 Prozent stagniert. Das ergibt eine neue Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW im Auftrag des Schweizer Tierschutz STS. Auf der Nachfrageseite sind es die hohen Preisdifferenzen zu den Fleisch-Standardprodukten, auf der Produzentenseite haben die Tierhalter keinen Anreiz umzustellen, weil der Markt ihre Mehrkosten unvollständig entschädigt.

Der Absatz von Tierwohlprodukten steht stark unter Druck: Insbesondere beim Labelfleisch (inkl. Bio) ist der Absatz stagnierend oder sogar rückläufig. Der Anteil von tierfreundlich gehaltenen und als Labelprodukt abgesetzten Tieren ist von 12,2 % (2020) auf 12,0 % (2021) gesunken – bei steigenden Zahlen von total 86,5 Mio. geschlachteten Tieren (ohne Importe).

Bio- und Labelprodukte preislich unattraktiv positioniert

Mit der im Jahr 2020 gestarteten „Absatzoffensive Labelfleisch“ hat der STS erheblichen Handlungsbedarf aufgedeckt: Zum einen kann die „Labelmüdigkeit“ nicht nur den Konsumentinnen und Konsumenten angelastet werden. Vielmehr sind problematische Marktkonstellationen und mangelndes Engagement der Marktakteure in Detailhandel und Gastronomie der Grund. Zum anderen rücken ökonomische Erklärungen ins Zentrum der Debatte: Bio- und Labelprodukte sind preislich unattraktiv positioniert und die Abgeltung der Tierwohlleistungen beim Tierhalter ist ungenügend.

Kein Anreiz, mehr Label- und Biofleisch zu kaufen

Die neue Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW(Leitung: Prof. Mathias Binswanger) im Auftrag des STS bestätigt diese ökonomischen Erklärungen. Der Absatz im Label-Fleischmarkt wird durch fehlenden Wettbewerb und falsche Preisanreize beeinträchtigt. Das schlägt sich unmittelbar auf die Anzahl der tiergerecht gehaltenen Tiere nieder. Der Autor der Studie kritisiert die ausserordentlich hohen Preisunterschiede zwischen Label- bzw. Bio-Fleischprodukten und Fleisch-Standardprodukten. Bei den Schweinefleischprodukten kosten beispielsweise im Laden Bioprodukte zum Teil mehr als das Doppelte eines entsprechenden konventionellen Produktes. Unter solchen Marktbedingungen haben Konsumentinnen und Konsumenten keinen Anreiz, mehr Label- und Biofleisch zu kaufen – die „Tierwohlkrise“ im Fleischabsatz kann bei dieser Preisschere nicht beseitigt werden. Die Märkte für Bio- und Labelfleisch sind aus Sicht des STS unterreguliert: Die Marktkräfte reichen offensichtlich nicht aus, um den Tieren ein artgerechtes Leben zu ermöglichen.

Dringender Handlungsbedarf

Der Autor der Studie zeigt auf, dass die an Tierhalter bezahlten Wertschöpfungsanteile für Nutztiere, die nach Richtlinien von Tierwohl-Labels oder Biorichtlinien gehalten werden, deutlich geringer sind. Auf Seite des Detailhandels fallen sie entsprechend höher aus. Dass sich die im Vergleich zu den Konsumentenpreisen geringeren Produzentenpreise mit fehlendem Wettbewerb erklären lassen, ist auch aus Sicht des Studienautors sehr problematisch: „Will man Tierwohl und Tierhaltung nach biologischen und Label-Richtlinien weiter fördern, dann ist es erstens notwendig, den Bauern einen fairen Mehrpreis dafür zu bezahlen. Und zweitens muss sich die Preisdifferenz zwischen konventionellen Produkten und Label- und Bioprodukte für Konsumenten verringern.“

Kampagne für weniger Fleisch, dafür aus tiergerechter Haltung

Mit einer Sensibilisierungskampagne wird nun der Schweizer Tierschutz STS im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft in der Deutsch- und Westschweiz aktiv, zusammen mit Bio Suisse, Demeter, der Kleinbauernvereinigung VKMB, dem Konsumentenschutz und dem Pendant FRC aus der Westschweiz. Die Organisationen mobilisieren gemeinsam für einen verantwortungsvollen Fleischkonsum: „Weniger Fleisch, dafür aus tiergerechter Haltung. Das ist besser für Mensch, Tier und Umwelt“. Empfohlen werden Label, die der Schweizer Tierschutz STS für gut bewertet und die viel Tierwohl garantieren.

Mehr Informationen zur Studie: www.tierschutz.com/politik/absatzoffensive/index.html

Sensibilisierungskampagne: www.fuer-mehr-tierwohl.ch

STS-Labelbewertung: www.essenmitherz.ch

STS-Medienmitteilungen online

www.tierschutz.com/media/news.html

Bildmaterial

www.flickr.com/photos/sts-psa/

Absender

Schweizer Tierschutz STS

Dornacherstrasse 101, Postfach

4018 Basel

Telefon 061 365 99 99

www.tierschutz.com

sts@tierschutz.com

Pressekontakt:

Dr. Stefan Flückiger, Ing-Agr. ETH/Executive MBA
Schweizer Tierschutz STS
Geschäftsführer Agrarpolitik
Mobile 079 621 29 84
stefan.flueckiger@tierschutz.com

Original-Content von: Schweizer Tierschutz STS übermittelt durch news aktuell

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