Tierfreundliche Alternativen: Faux Gras statt tierquälerische Stopfleber

Am internationalen Tag gegen Foie gras machen sich die globale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN und die Westschweizer Organisation Stop Gavage Suisse für tierfreundliche Alternativen zur Stopfleber stark, um die Feiertage mit Genuss und ohne Grausamkeiten zu feiern. Das Importverbot für Foie gras steht auch auf der politischen Agenda in der Schweiz. Denn der internationale Trend ist eindeutig: Selbst König Charles III von England hat vor kurzem Foie gras aus seinen königlichen Residenzen verbannt.

Das Leben der Enten und Gänse in der Stopfmast ist grausam: Im Rahmen der Foie-gras-Produktion werden die Tiere vor dem Schlachten zwei Wochen lang „gestopft“. Das bedeutet, dass ihnen drei- bis viermal täglich innerhalb von drei Sekunden bis zu 1 kg Maispüree durch die Speiseröhre gepresst wird. Zum Vergleich: Diese unter Zwang verabreichten Futtermengen würden bei einem Menschen 12 kg Spaghetti pro Tag entsprechen. Gegen Ende dieser Stopfmast wiegt die Leber der Gänse 2 kg statt 200 g – 10x mehr als bei einem gesunden Tier. Der dadurch entstehende Druck auf die Organe verursacht Schmerzen und Atembeschwerden. Hinzu kommen das Töten der „unbrauchbaren“ weiblichen Küken, methodische Verstümmelungen und fragwürdige Haltungsbedingungen.

Tierfreundliche Faux gras steht Foie gras in nichts nach

Mehrere Schweizer Spitzenköche haben sich der Förderung tierfreundlicher Festtagsmahlzeiten verschrieben. Der Sternekoch Tobias Buholzer ist das beste Beispiel dafür. Seine Noix-gras-Terrine ist seit einigen Jahren ein beliebter Gaumenschmaus und in der ganzen Schweiz erhältlich. Buholzers Beweggründe sind klar: „Es gibt für mich keinen einzigen Grund, weshalb man Tiere quälen muss – auch nicht für die Produktion von gastronomischen Luxusprodukten. Ich lehne das konsequent ab und serviere darum in meinem Gourmet-Restaurant keine Stopfleber. Mit „Nix gras“ habe ich aber selber eine vegetarische und vegane Alternative zu Foie Gras entwickelt. Damit überrasche und verwöhne ich unsere Gäste mit dem besten Gewissen.“

In der Schweiz gibt es heute 24 tierfreundliche Produkte von 19 Herstellern, die Stopfleber ersetzen. VIER PFOTEN empfiehlt, Produkte aus Freilandhaltung auszuwählen, vorzugsweise von lokalen, biologischen Betrieben. Beim Kauf ist es ratsam darauf zu achten, dass die Gänse und Enten Zugang zu Wasser haben und nicht mittels Stopfmast gemästet werden. Oder eben: Man entscheidet sich für vegetarisches oder veganes Foie gras.


Die Zwangsfütterung von Gänsen und Enten ist ein grausamer Vorgang. © BY-L214

Auf der politischen Agenda der Schweiz

Auch die Politik setzt sich für ein Importverbot von Stopfleber ein. Eine entsprechende Motion von Martin Haab, SVP-Nationalrat, wurde vom Nationalrat mit grosser Mehrheit angenommen (119 zu 61 Stimmen). Die Motion geht nun an den Ständerat, der im nächsten Jahr darüber abstimmen wird. Stop Gavage Suisse, VIER PFOTEN und weitere Tierschutzorganisationen unterstützen die Motion.

Die intensive Geflügelhaltung stellt international eine ernstzunehmende Gesundheitsgefahr dar. In diesem Jahr allein führte ein neuer Ausbruch der Vogelgrippe zur Tötung von etwa 20 Millionen sogenannter Nutzvögel, darunter 10 Millionen Enten in Frankreich. Dies ist ein weiteres Argument, um auf die intensive Haltung von Enten und anderen Vögeln zu verzichten.

Mehr als 20 Länder verbieten die Stopfmast, darunter auch die Schweiz. In der Europäischen Union haben 22 der 27 Mitgliedstaaten die Stopfmast aus Tierschutzgründen verboten. Darüber hinaus verbieten bereits mehrere Länder, Staaten und Städte den Handel mit Stopfleber, zum Beispiel Indien, Kalifornien, Buenos Aires und bald auch New York. Auch König Charles III von England hat angekündigt, dass Stopfleber aus seinen königlichen Residenzen verbannt wurde.

Hintergrund

In der Schweiz ist die Produktion von Stopfleber zwar verboten, aber zeitgleich ist sie einer der Hauptimporteure von französischem Foie gras. 208 Tonnen Foie gras wurden 2021 importiert, das sind jährlich über 377’000 Enten und 7‘500 Gänse, die vor ihrer Tötung für den Schweizer Konsum gestopft wurden. Dies, ohne die weiblichen Tiere zu zählen, die gleich nach der Geburt geschreddert oder vergast werden.

Laut einer Umfrage vom Dezember 2018 konsumiert nur 30 % der Schweizer Bevölkerung Stopfleber. Dabei gibt es jedoch regionale Unterschiede: Während in der Deutschschweiz lediglich 15 % der Menschen Stopfleber konsumieren, sind es in der Romandie 71 % und im Tessin 49 %.

 

Quelle: VIER PFOTEN
Bildquelle: © VIER PFOTEN

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